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Arbeitsmarkt Sport: So ticken die Sportstudierenden von heute

Letzte Aktualisierung: 23.09.2021

von fobimarkt

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Lesezeit: 5,0 Minuten

Der Blick von Sportstudierenden auf den Sportmarkt

Studierende und Auszubildende sind die Zukunft eines Landes. Sie bilden sich Tag für Tag weiter, um dann nach ein paar Jahren in einen Beruf einzusteigen und den Kreislauf der Berufswelt aufrechtzuerhalten. Egal ob in der Wirtschaft, in der Medizin oder im Sport, dieser Ablauf trifft auf alle Branchen zu. In Deutschland studieren rund 30.000 Menschen Sport. Allein 6.000, also 20% davon an der Deutschen Sporthochschule Köln. Wie ein bereits veröffentlichter Beitrag von uns zeigt, stuft die Sportbranche die hohe Nachfrage nach Fachkräften als große Herausforderung in der Zukunft ein. Sie benötigen Studierende und Auszubildende, um den Bedarf an neuen Mitarbeitern zu decken. Damit ist auch das Interesse für diese gesellschaftliche Gruppe in der Branche des Sports hoch. Gesammelte Daten über Einstellungen und Denkweisen von Sport-Studierenden können einem Arbeitgeber dabei helfen, die Sicht der Zielgruppe zu rekonstruieren. 

 

Im Rahmen eines ersten Ansatzes einer solchen Befragung haben wir auf der Basis von Kontakten zu unterschiedlichen Universitäten und Hochschulen des Sports eine Umfrage unter Sport-Studierenden durchgeführt. Im Mittelpunkt standen folgende drei Themenbereiche. Der Werdegang Sportstudierender nach dem Studium, die Meinung zu dem Arbeitsmarkt Sport sowie die Meinung zu dem Fortbildungsmarkt Sport. Die Ergebnisse zu der Umfrage werden wir in diesem Beitrag thematisieren. 

Daten zu den Proband:innen

Demographische Daten

Für die Umfrage wurden Sport-Studierende als Teilnehmer:innen akquiriert. Der Fragebogen wurde über diverse Social-Media-Plattformen an entsprechenden Universitäten und Hochschulen verbreitet. Insgesamt haben 107 Studierende an der Untersuchung teilgenommen. 61% von ihnen waren männlich, 39% waren weiblich. Die Altersspanne erstreckte sich von 19 bis 30 Jahre. Der größte Anteil fiel allerdings auf die Altersgruppe der 21- (25%) bzw. 22-Jährigen (22%).

Studium

72% der Teilnehmer:innen studieren an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Die restlichen von ihnen verteilen sich auf unterschiedliche Universitäten wie beispielsweise die Uni Kiel oder die Uni Koblenz. Kennzeichnend für ein Sportstudium ist, dass es ein großes Angebot an verschiedensten Studiengängen gibt. Unter den Proband:innen waren Studiengänge wie Sportwissenschaft, Sportmanagement oder Sportlehramt vertreten. Mit 28% viel der größte Anteil auf den Studiengang Sport, Gesundheit und Prävention. Entsprechend der Altersspanne verteilen sich auch die Angaben zu dem Semester, in dem sich die Studierenden zum Zeitpunkt der Umfrage befanden. Die Mehrheit studierte im 5. Semester. Die Spanne reichte vom 2. bis zum 8. Semester, während auch ein paar Studierende aus noch höheren Semestern teilgenommen haben.

Social-Media-Nutzung

In einem Zeitalter, das von Digitalisierung geprägt wird, sind zudem Daten über die Internetaktivitäten der Proband:innen von Bedeutung. Die Teilnehmer:innen sollten angeben, welche Social-Media-Plattformen sie verwenden. So gut wie alle von ihnen sind auf der Plattform Instagram aktiv (90%), gefolgt von Facebook (53%) und SnapChat (39%). Die Business-Netzwerke LinkedIn (24%) und Xing (11%) machen dagegen nur einen geringen Teil aus.

Werdegang nach dem Studium 

Insgesamt wurden vier Fragen zu dem Thema Werdegang nach dem Studium gestellt. Die Antwortmöglichkeiten unterschieden sich in Multiple und Single Choice. 

Was kommt nach dem Bachelorabschluss?

Um eine erste Tendenz für den weiteren Karriereverlauf der Studierenden nach dem Abschluss ihres Studiums zu kennzeichnen, bezog sich die erste Frage auf die verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten nach dem Studium. 37% der Teilnehmer:innen gaben an sich für ein anschließendes Masterstudium zu interessieren, während ein Viertel einen direkten Einstieg in die Berufswelt präferiert. Einige haben allerdings auch noch überhaupt keinen konkreten Plan (19%) und andere bevorzugen erstmal eine Auslandsreise (14%). Nur ein geringer Anteil (3%) erwägt nach dem Studium die Durchführung einer Ausbildung.  

Masterstudiengang: Uni, private Hochschule oder Fernstudium?

Die zweite Frage ging konkreter auf die Studierenden ein, die einen anschließenden Master geplant haben. Ziel war es, eine Präferenz für die unterschiedlichen Studiumsformen eines Masters darzustellen. Wie zu erwarten wird ein Master an einer staatlichen Universität den anderen Formen vorgezogen (94%). Ein Drittel der Befragten kann sich auch ein Master im Ausland vorstellen. Mit 17% (private Hochschule) und 13% (Fernstudium) machen zwei weitere Möglichkeiten nur einen geringen Teil aus. 

Wissenschaft oder Praxis?

Nachdem die ersten beiden Fragen vor allem auf das Studium ausgelegt waren, sollten die folgenden beiden nun mehr die persönlichen Interessen in Bezug auf die Berufswelt des Sports hinterfragen. Als erstes wurde untersucht, ob die Studierenden eher in einem Beruf in der Praxis oder in der Wissenschaft tätig werden wollen. In diesem Fall gab es eine klare Ausrichtung hin zu einem Job mit praktischen Anteilen (92%). In der nächsten Frage sollten die Proband:innen angeben, für welchen Bereich sie sich in der Sportbranche interessieren. Da unter den Teilnehmer:innen der Studiengang Sport, Gesundheit und Prävention dominiert hat, entfielen 55% der Interessen auch auf den Bereich Sportgesundheit. Auf Platz 2 und Platz 3 lagen die Bereiche Sportmanagement (16%) und Leistungssport (6%). Auffällig war zudem, dass es viele verschiedene Interessen für die unterschiedlichsten Tätigkeitsfelder gab, was die große Vielfalt der Sportbranche widerspiegelt. So waren beispielsweise auch Interessen für die Sportartikelindustrie, den Sportjournalismus oder Sportlehramt vertreten.

Arbeitsmarkt Sport 

Insgesamt wurden sieben Fragen gestellt. Die Antwortmöglichkeiten unterschieden sich in offene Antworten, Skalen, Ja/Nein-Fragen und Multiple Choice. 

Trends im Arbeitsmarkt Sport

Um in das Thema des Arbeitsmarktes Sport einzusteigen, sollten die Studierenden in der ersten Frage mögliche Trends beschreiben, die sie für die Sportbranche in der Zukunft erwarten. Da es sich um eine offene Frage handelte, fielen die Antworten dementsprechend auch unterschiedlich aus. Auffällig oft wurde aber zum Beispiel die Digitalisierung des Sports genannt, die zum großen Teil auch in der heutigen Zeit schon zu erkennen ist. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Trend hin zu mehr Sport verbunden mit einem Fokus auf Gesundheit und Ernährung. Dies bestätigt auch einen Trend, den wir in einem anderen Beitrag bereits aufgegriffen haben. 

Weg zum Traumjob: Welche Qualifikationen sind wichtig?

Die darauffolgenden Fragen thematisierten insbesondere die Jobsuche der Teilnehmer:innen. Anfangs wurde gefragt, wie die Studierenden die Chance einschätzen, einen Job in ihrer Wunschbranche zu bekommen. Auf einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch) zeigte sich mit jeweils 35% für die Stufen 3 und 4 und 22% für die höchste Stufe eine klar positive Tendenz. Zudem wurde erfragt, welche Qualifikationen ihrer Meinung nach wichtig sein, um einen entsprechenden Job erhalten zu können. Eine notwendige Praxiserfahrung (94%) dominierte hier deutlich vor sogenannten Soft Skills (71%) und Fort- & Weiterbildungen (57%). Theoretische Inhalte aus dem Studium empfand dagegen nur etwa die Hälfte (51%) als wichtige Voraussetzung. Ergänzend zu den bereits gestellten Fragen, sollten die Studierenden außerdem beantworten, ob sie sich schonmal nach einem Job in der Sportbranche umgeschaut haben. Bei 57% war dies der Fall, während 43% noch keine Jobsuche durchgeführt haben.

Fort- und Weiterbildungsmarkt Sport 

Es wurden sechs Fragen zu der Kategorie gestellt. Die Antwortmöglichkeiten unterteilten sich in offene Antworten, Skalen und Multiple Choice. 

Wichtigkeit der Weiterbildung 

Zu Beginn sollten die Studierenden angeben, als wie wichtig sie eine Fort- bzw. Weiterbildung für ihre berufliche Karriere einschätzen. Auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht wichtig) bis 5 (sehr wichtig) gaben 59% an, eine entsprechende Maßnahme sei sehr wichtig. Die übrigen 41% verteilen sich auf die Skalenpunkte 3 (11%) und 4 (30%). Es lässt sich also eine klar positive Einstellung für Fort- und Weiterbildungen erkennen. Zudem haben wir uns für die Gründe einer Teilnahme an solchen Veranstaltungen interessiert. Aus Sicht der Studierenden stellen eine persönliche und berufliche Weiterentwicklung mit jeweils 90% Zustimmung die bedeutendsten Motive dar. Knapp die Hälfte der Befragten gab ein höheres Gehalt als möglichen Grund an (55%). Die Anerkennung von Personen aus dem Umfeld spielt dagegen eine untergeordnete Rolle (15%). 

Weiterbildung während dem Studium

Ergänzend dazu wurde nach Proband:innen gefragt, die bereits an einer Fort- & Weiterbildung teilgenommen haben. Zudem sollten diese auch angeben, um welche Art von Fortbildung es sich gehandelt hat. 38% der Befragten haben bis zum Zeitpunkt der Befragung noch keine Fortbildung besucht. Ein Großteil derjenigen, die mit Ja geantwortet haben, absolvierten bereits Veranstaltungen für Trainer- und/oder Übungsleiterlizenzen. An dem Thema anknüpfend wurde auch nach der Suche nach entsprechenden Angeboten gefragt. Die Teilnehmer:innen wurden aufgefordert anzugeben wie sie auf die Fort- bzw. Weiterbildung gestoßen sind. Mehr als die Hälfte (62%) tauschte sich mit Kontakten, also zum Beispiel Vereinsmitgliedern, Freunden oder Mitarbeitern, aus. Außerdem erfolgte die Suche über die Universität (52%) oder die Suchmaschine Google (50%). 

Interesse an beruflicher Weiterbildung

Zwei weitere Fragen bezogen sich auf einen Ausblick in die Zukunft. 84% der Befragten wollen in den kommenden Jahren eine Fort- oder Weiterbildung besuchen. Ein kleiner Teil konnte sich dazu noch nicht genau äußern (14%). Eine Nachfrage zu den Interessen der Studierenden in Bezug auf die Inhalte einer entsprechenden Veranstaltung ergab mehrere Bereiche. Dominant sind hier insbesondere Inhalte im Gesundheitssport, beispielsweise eine physiotherapeutische Fortbildung. Des Weiteren sind Trainer- und Übungsleiterlizenzen weiterhin stark beliebt. 

Fazit

Während der Werdegang nach dem Studium von unterschiedlichen Plänen geprägt ist, lassen sich konkretere Meinungen zum Arbeits- bzw. Fortbildungsmarkt der Sportbranche herausfiltern. Auffällig ist insbesondere die hohe Bedeutung, die die Studierenden den Fort- und Weiterbildungen während der beruflichen Karriere zuschreiben. Für zukünftige Umfragen wäre es sicherlich auch spannend zu analysieren, inwiefern sich die Antworten über einen längeren Zeitraum entwickeln. Insgesamt bieten die Ergebnisse der Umfrage einen ersten Anhaltspunkt, um die Interessen und Sichtweisen der teilnehmenden Sport-Studierenden einschätzen zu können.

 

Das Such- und Buchungsverhalten von Fort- und Weiterbildungsinteressierten

Fort- und Weiterbildungen besitzen existenziellen Stellenwert, insbesondere in der Sport- und Gesundheitsbranche. Doch wie informieren sich Interessierte passende Fortbildungen? Auf welche Aspekte achten sie besonders? Welche Fachbereiche sind beliebt? Diese Fragen klären wir in diesem Artikel.

Arbeitsmarkt Sport: So ticken die Sportstudierenden von heute

Studierende und Auszubildende sind die Zukunft eines Landes. Sie bilden sich Tag für Tag weiter, um dann nach ein paar Jahren in einen Beruf einzusteigen und den Kreislauf der Berufswelt aufrechtzuerhalten. Eine fobimarkt-Umfrage unter Sport-Studierenden zeigt deren Ansichten zu den Themen Werdegang, Fortbildungsmarkt und zum Arbeitsmarkt Sport.

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