Bild Regeneration- ein unterschätztes Tool in der Physiotherapie?

Regeneration- ein unterschätztes Tool in der Physiotherapie?

Letzte Aktualisierung: 13.03.2021

von Athanasios Papakostas

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Lesezeit: 3,0 Minuten

Übertrag aus dem Sport in die Physiotherapie-Praxis

Regeneration und ihre Bedeutung in aller Munde. Doch was bedeutet Regeneration? Welchen Nutzen haben meine Patienten in der Praxis? Welchen Einfluss hat die Regeneration auf meine Therapie?

Seit Jahren ein wichtiger Baustein im Spitzensport unter anderem in Bezug auf die Leistungsfähigkeit und Belastungssteuerung. Regeneration stammt aus dem lateinischen Wort „regeneratio“ ab und wird oftmals mit der Erholung gleichgesetzt. Brechen wir das Wort Regeneration in einzelne Silben runter, wird die Komplexität deutlich:

RE (zurück) = (in dem Zusammenhang) Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit nach Belastung

GENE = bestimmen, welche Regenerationsansätze bei uns funktionieren und welche nicht

RATION (Dosis) = die Dosis an Stress, beeinflusst die Dauer der Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit

Regeneration - Ziele und Methoden

Regeneration ist wichtig und von hoher Bedeutung, unabhängig von der Art der Belastung. Dabei unterscheiden wir in diesem Beitrag zwischen physischer und psychischer Belastung. Aktuell sind eine Vielzahl an Regenerationsmethoden bekannt, die sich stark voneinander unterscheiden. So unterschiedlich die Methoden auch sind, ihre Ziele sind alle gleich:

  • ✓ Mehr Energie
  • ✓ Weniger Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen
  • ✓ Gestärktes Immunsystem
  • ✓ Größere geistige Klarheit
  • ✓ Mehr Ausgeglichenheit
  • ✓ Größere Kreativität
  • ✓ Mehr Kapazitäten
  • ✓ Höhere Arbeitszufriedenheit

Generell wird zwischen passiver und aktiver Regeneration unterschieden. Unter passiver Regeneration fallen alle Maßnahmen, bei denen keine körperliche Aktivität gefordert wird. Bei Fußballer:innen ist die Eistonne sehr beliebt. Darüber hinaus gibt es noch weitere passive Methoden, wie

  • ✓ Strategische Ruhephasen
  • ✓ Recovery Shakes
  • ✓ Kryotherapie
  • ✓ Mittagsschlaf und Power Naps
  • ✓ Atemtechniken
  • ✓ Frequenzmodulation
  • ✓ Entspannung durch mechanische Stimulation der Haut
  • ✓ Kompression
  • ✓ Massagen

Übertrag auf Patient und Praxis

Doch welche dieser Methoden können von großer Bedeutung für unsere Patient:innen in der Praxis sein? Welche Methoden können wir unseren Patient:innen empfehlen? Welchen Einfluss haben diese auf die Therapie?

Strategische Ruhephasen

Wir unterscheiden drei Arten, Ruhe zu empfinden: mentale Ruhe, soziale Ruhe und körperliche Ruhe.

Mentale Ruhe bedeutet, schnell und effektiv den Fokus und Konzentration wiederzuerlangen und in jeder Situation entspannt und gelassen zu sein

Soziale Ruhe bedeutet, neue Kraft aus sozialen Beziehungen zu ziehen und dadurch zu entspannen und erholen

Körperliche Ruhe bedeutet, bewusst Reize zu reduzieren und den Körper auf die einfachsten physiologischen Prozesse zu reduzieren

Schlaf

Schlaf ist die wichtigste passive Regenerationsmethode. Sie ist für den Körper und den Geist essenziell. Unser Körper nutzt den Schlaf für Reparaturmechanismen, während unser Geist Geschehnisse verarbeitet. Nach intensiven körperlichen oder mentalen Belastungen benötigen wir mehr Schlaf und eine längere Pause.

Hierbei kann ein Mittagsschlaf sehr hilfreich sein. Der Allgemeinzustand wird positiv beeinflusst, unser Energielevel wird erhöht, die mentale Wachheit wird verbessert und die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt zu.

Atemtechniken

Die Atmung ist der wichtigste Prozess des menschlichen Körpers. Wir atmen etwa 100 Millionen Mal ein und aus, bevor unser Lebenslicht erlischt. Dabei gehen wir auf drei Arten und Techniken ein:

Vertikale vs. Horizontale Atmung: Die wenigsten Menschen atmen in den Bauch. Stattdessen wird meistens eine flache in den Brustkorb beobachtet → vertikale Atmer. Wir sprechen von horizontale Atmer, wenn die Schultern stabil bleiben, während der Bauch und die unteren Rippen expandieren.

Nasenatmung vs. Bauchatmung: Für unseren Körper ist es ein deutlicher Unterschied, ob wir durch den Mund oder durch die Nase ein- und ausatmen. Die Mundatmung stell ein Stresssignal dar und kann den pH- Wert des Blutes stören und alkalisch machen. Nebeneffekte der Alkalose sind Angstgefühle, Angstzustände und chronische Schmerzzustände. Die tiefe Nasenatmung hat neben der Sauerstoffvorerwärmung, Luftfilterung auch den Effekt unser Erregungsniveau zu regulieren. Gleichzeitig wird der Puls verlangsamt, der Blutdruck wird niedriger, der Blutfluss zum Verdauungssystem wird erhöht und der Tiefschlaf wird möglich.

Regenerationsatmung: Die Regenerationsatmung wirkt Stressregulierend und kennzeichnet sich durch die Ein- und Ausatmung durch die Nase. Dabei dauert die Ausatmung länger als die Einatmung.

Ziel der aktiven Regenerationsmethoden ist es, die Durchblutung zu verbessern und den Abbau und Austausch von geschädigtem Gewebe und Stoffwechselabfallprodukten zu beschleunigen. Dabei werden Bewegungen im vollen ROM ausgeführt, ohne dabei die Last auf die Gelenke zu erhöhen.

Weitere Methoden für die Praxis

Des Weiteren gehören Methoden wie:

  • Selbstmassage mit der Faszienrolle
  • Wechselwarmes Duschen
  • Hydrotherapie zu den aktiven Regenerationsmethoden.

Im Praxisalltag haben wir oft Patient:innen, die zu Therapiebeginn einem hohen Stress ausgesetzt sind und sich oftmals mental und/ oder körperlich erschöpft fühlen. Die Patient:innen haben mehrere Stunden bei der Arbeit hinter sich und kommen in den Abendstunden zu uns. Wir müssen den Patient:innen da abholen, wo er sich in dem Moment befindet. Bei einem gestressten Patient:innen eignen sich beispielsweise gezielte Atemtechniken zu Beginn der Therapie, die sich stressreduzierend auswirken. Als Effekt haben wir einen höheren Therapieerfolg. Ein weiterer Faktor ist, dass durch die gezielte Atmung weitere Lungenareale beansprucht werden und es sich für die Gelenke und die Muskulatur ebenso mobilisierend auswirkt.

Betrachten wir die Medizinische Trainingstherapie und die mögliche Einbindung von Regenerationsmethoden, können sowohl passive als auch aktive Methoden eingesetzt werden. Dabei ist es denkbar einige Tools bereits im Aufwärmprogramm einzubauen, z.B. gezielte Atemübungen aber auch die Faszienrolle. Nach dem Training kann die Regeneration durch den Einsatz der Faszienrolle, Kompression, Atemübungen, Stretching und Massagen gefördert werden. Des Weiteren ist die Beratung zum Thema Schlaf von Vorteil.

Effekte des Einsatzes von Regenerationsmethoden in der Praxis:

  • ✓ Abholen des Patienten am Status quo
  • ✓ Ganzheitlichkeit
  • ✓ Individuelle Belastungssteuerung
  • ✓ Höhere Erfolgsquote in der Therapie
  • ✓ Gewinnung von Selbstzahlerkunden

Fazit

Im Profisport wird das Thema Regeneration großgeschrieben. Es gibt vielerlei Regenerationsmethoden - passive als auch aktive. Der Schlaf ist die wichtigste passive Regenerationsmethode. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an passiven Methoden, wie die Atmung, Kompression und Massagen. Maßnahmen wie die Selbstmassage mit der Faszienrolle, wechselwarmes Duschen und die Hydrotherapie gehören zu den aktiven Regenerationsmethoden. Das Ziel der aktiven Methoden ist es, die Durchblutung zu verbessern und den Abbau und Austausch von geschädigtem Gewebe und Stoffwechselabfallprodukten zu beschleunigen. Patienten fühlen sich oftmals bereits zu Therapiebeginn mental und/oder körperlich erschöpft. Mit Regenerationsmaßnahmen können wir Patient:innen individuell abholen. Weitere positive Effekte sind die Ganzheitlichkeit, die individuelle Belastungssteuerung, der höhere Therapieerfolg und die Zunahme von Selbstzahler:innen.

 

Literatur

Dr. Lutz Graumann, Dr. Utz Niklas Walter, Dr. Fabian Krapf mit Daniel Beck. Regeneration. ISBN 978-3-7423-1088-0

Mehr über den/die Autor/-in

Athanasios Papakostas

Athanasios Papakostas

Athanasios Papakostas (Physiotherapeut, Athletiktrainer und angehender Heilpraktiker) ist als Physiotherapeut und Lehrkraft im Gesundheitswesen tätig. Des Weiteren ist er Inhaber des mobilen Sportleistungszentrums your-best-performance.

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